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Ein neuer Blick aufs Ijtema – Ein Gespräch mit Ismail Karikari

Interviewer:
Assalamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu. Schön, dass du dir Zeit nimmst. Wie geht’s dir heute?

Ismail:
Wa alaikum salam wa rahmatullahi wa barakatuhu. Alhamdulillah, mir geht’s gut. Danke der Nachfrage. Und dir?

Interviewer:
Auch alhamdulillah. Magst du dich kurz vorstellen? Wer bist du, woher kommst du und wie lange bist du schon Teil der Jamaat?

Ismail:
Gerne. Mein Name ist Ismail Karikari, ich bin 25 Jahre alt und seit April 2025 Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Damals habe ich mein Bai’at abgelegt. Ich bin als Muslim geboren, habe mich aber dieses Jahr bewusst der Jamaat angeschlossen. Ich komme aus Hamburg, meine familiären Wurzeln liegen in Ghana, Schweden und Deutschland.

Interviewer:
Ich freue mich sehr, dass du dabei bist. Lass uns direkt einsteigen: Wie war es für dich, das erste Mal beim nationalen Ijtema dabei zu sein?

Ismail:
Ich habe das nationale Ijtema als sehr angenehm erlebt. Ich war zuvor schon beim regionalen und lokalen Ijtema, die natürlich etwas kleiner waren. Das nationale Ijtema erinnerte mich vom Format her ein wenig an das Jalsa Salana – nur mit dem Unterschied, dass wir hier fast ausschließlich unter Khuddam waren. Das hat den Teamgeist und die spirituelle Atmosphäre auf ein ganz anderes Level gehoben.

Interviewer:
Gab es einen besonderen Moment, der dich emotional berührt oder dir Gänsehaut bereitet hat?

Ismail:
Ja, definitiv. Vor allem bei den Sportwettbewerben. Ich habe zum Beispiel am 5-Kilometer-Lauf teilgenommen und auch beim Tennis mitgemacht. Dabei wurde mir bewusst, dass ich mich selbst falsch eingeschätzt hatte. Durch das Kräftemessen mit vielen engagierten Brüdern wurde mir klar, dass noch viel Potenzial in mir steckt. Diese Erkenntnis hätte ich ohne das Ijtema wahrscheinlich nicht gewonnen.

Interviewer:
Sehr spannend. Welche Programmpunkte oder Aktivitäten haben dich besonders angesprochen – sportlich, geistig oder spirituell?

Ismail:
Auf sportlicher Ebene war es definitiv der 5-Kilometer-Lauf. Ich laufe eigentlich nicht gerne. Schon als Kind mochte ich das nicht. Aber ich wollte es unbedingt schaffen. Mit Allahs Hilfe habe ich es durchgezogen.
Spirituell war es für mich das Tahajjud-Gebet am frühen Morgen. Das hat mich tief berührt.

Interviewer:
Wie hast du das Freitagsgebet erlebt – war das in dieser Größe etwas Neues für dich?

Ismail:
Nicht wirklich. Ich hatte schon beim Jalsa Salana an einem ähnlich großen Freitagsgebet teilgenommen. Daher war es mir vertraut.

Interviewer:
Vielen Dank. Wie war es für dich, mit so vielen Khuddam aus ganz Deutschland zusammenzukommen?

Ismail:
Das war wirklich etwas Besonderes. Der Unterschied zu Freundschaften im Alltag war spürbar. Man kennt Freunde aus verschiedenen Kontexten – gläubig oder nicht –, aber die Verbindung zu den Khuddam-Brüdern ist eine ganz andere. Selbst wenn man sich zum ersten Mal trifft, entsteht sofort eine gewisse Nähe und Brüderlichkeit, die ich als sehr besonders empfunden habe.

Interviewer:
Hast du dich als Konvertit angenommen und eingebunden gefühlt? Gab es Begegnungen, die dir Mut gemacht haben?

Ismail:
Ja, absolut. Vor allem mit Khuddam in meinem Alter, also so zwischen 22 und 28, die ähnliche Lebensrealitäten teilen – sowohl weltlich als auch spirituell. Ich habe mich direkt gut aufgehoben gefühlt und sehr willkommen.

Interviewer:
Konntest du neue Freundschaften oder Kontakte knüpfen – vielleicht sogar über deine Region hinaus?

Ismail:
Ja, tatsächlich. Lustig, dass du das erwähnst – wir haben uns ja auch dort kennengelernt.

Interviewer:
Stimmt! Was nimmst du persönlich vom Ijtema mit – emotional oder spirituell?

Ismail:
Das ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich würde sagen: Ambitionen. Vor allem in Bezug auf meine spirituelle Weiterentwicklung. Ich hatte bei lokalen und regionalen Ijtemas an Wissenswettbewerben teilgenommen – beim nationalen jedoch noch nicht. Dafür war ich bei den sportlichen Wettbewerben aktiv. Für das nächste Mal habe ich mir vorgenommen, mich auch geistig mehr einzubringen. Die Motivation ist definitiv da.

Interviewer:
Wirst du nächstes Jahr wieder dabei sein?

Ismail:
Inschallah, auf jeden Fall.

Interviewer:
Was würdest du anderen Khuddam oder Konvertiten sagen, die noch unsicher sind, ob sie teilnehmen sollen?

Ismail:
Ich würde ihnen wirklich ans Herz legen, sich die Zeit zu nehmen. Wir investieren unsere Zeit für viele Dinge, aber oft nicht genug für unseren Glauben. Das Ijtema bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich spirituell weiterzuentwickeln, Brüderlichkeit zu erleben und neue Perspektiven zu gewinnen. Der Nutzen, den man daraus zieht – emotional, geistig und spirituell – ist unbezahlbar und lässt sich mit nichts anderem vergleichen.

Interviewer:
Jazakumullah für deine Zeit! Ich wünsche dir noch einen gesegneten Abend.

Ismail:
Allahumma barik, vielen Dank. Dir auch!