Im Namen von Demokratie und Freiheit: Wie der Westen Chaos in der muslimischen Welt entfacht
Von Sharjil Khalid, Murabbi-e-Silsila
Seit Jahrzehnten werden Kriege im Namen von Freiheit und Demokratie geführt. Immer wieder wird dabei der Öffentlichkeit erklärt, in einem bestimmten Staat herrsche so viel Unterdrückung und Ungerechtigkeit, dass ein Eingreifen notwendig sei, um die Menschen zu befreien. Der moralische Imperativ lautet dann: Ein Regimewechsel sei der einzige Weg, um Freiheit und demokratische Strukturen zu schaffen.
Dieses Muster sehen wir auch im aktuellen Krieg gegen den Iran, in dem die USA und Israel den iranischen Staat völkerrechtswidrig angegriffen haben und ihre Motive immer wieder neu formulieren. Ein Argument taucht jedoch konstant auf: die Menschen von einem unterdrückerischen Regime zu befreien und Demokratie zu ermöglichen.
Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, Khalifat-ul-Masih V (ABA) hat in diesem Zusammenhang in seiner epochalen Freitagsansprache vom 06.03.2026 jedoch deutlich gemacht, dass solche Argumentationen historisch betrachtet häufig nur als Vorwand dienten.
„Die Dajjal-Mächte haben stets eine Illusion erzeugt, indem sie den arabischen Ländern, in denen es Ölreichtum oder andere Ressourcen gibt, vormachten: „Wir schließen Verträge mit euch zur Schaffung von Frieden.“ In Wirklichkeit sahen ihre inneren Pläne jedoch ganz anders aus, was heute offen zutage getreten ist.“
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der aktuelle Krieg keineswegs der erste ist, der mit dem Narrativ von Freiheit und Demokratie begründet wurde, während im Hintergrund wirtschaftliche und geopolitische Interessen eine zentrale Rolle spielten.
Gerade der Iran ist hierfür ein besonders eindrucksvolles Beispiel. Im Jahr 1951 verstaatlichte der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh die iranische Ölindustrie, die zuvor weitgehend von der britischen Anglo-Iranian Oil Company kontrolliert worden war. Diese Entscheidung traf die wirtschaftlichen Interessen Großbritanniens und westlicher Konzerne ins Mark. Zwei Jahre später, 1953, organisierten die amerikanische CIA und der britische Secret Intelligence Service im Rahmen der sogenannten Operation Ajax daher einen Staatsstreich gegen Mossadegh.
Dabei griffen sie zu einer Vielzahl verdeckter Methoden: Politiker und Militärs wurden bestochen, Demonstrationen und Gegenproteste finanziert, Medienkampagnen gestartet und gewalttätige Straßenunruhen organisiert. Am Ende wurde Mossadegh gestürzt und der Schah Mohammad Reza Pahlavi mit weitreichender autoritärer Macht installiert.
Die Paradoxie ist offensichtlich: Ausgerechnet jene westlichen Mächte, die im Iran eine demokratisch gewählte Regierung durch einen Putsch stürzten, treten heute mit dem Anspruch auf, dort Demokratie bringen zu wollen.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits ein Jahr später in Mittelamerika. In Guatemala führte der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Árbenz eine Landreform durch. Ungenutztes Land wurde enteignet und an arme Bauern verteilt. Betroffen war auch die mächtige US-amerikanische United Fruit Company, einer der einflussreichsten multinationalen Konzerne jener Zeit.
Die US-Regierung betrachtete diese Reformen im Kontext des Kalten Krieges als kommunistische Bedrohung. 1954 organisierte die CIA daher eine Operation zum Sturz der Regierung. Eine kleine Rebellenarmee unter Carlos Castillo Armas wurde aufgebaut, während gleichzeitig eine intensive Propagandakampagne über Radiosender und psychologische Kriegsführung betrieben wurde. Árbenz trat schließlich zurück.
Die Folgen waren gravierend: Guatemala erlebte anschließend jahrzehntelange Militärdiktaturen und einen blutigen Bürgerkrieg, der bis in die 1990er Jahre andauerte. Erst später belegten freigegebene CIA-Dokumente und veröffentlichte US-Regierungsakten die Rolle der Vereinigten Staaten bei diesem Umsturz.
Der Verweis auf Freiheit und Demokratie erweist sich damit immer wieder als politischer Vorwand.Dieses Muster ist jedoch kein Phänomen einzelner Präsidenten. Es zieht sich seit Jahrzehnten durch die Außenpolitik westlicher Mächte. Genau diese historische Kontinuität hebt Hudhur-e-Aqdas (ABA) hervor:
„Wir sehen nun, dass der derzeitige amerikanische Präsident lediglich die Politik seiner Vorgängerregierungen in die Praxis umsetzt. Dies ist nicht nur die Politik der heutigen Regierung, sondern es war schon immer ihre Vorgehensweise, sich gewaltsam die Ressourcen jener Länder anzueignen, wo immer es ihnen beliebt, und dann unter irgendeinem Vorwand zu versuchen, dies zu rechtfertigen, indem sie behaupten, dies oder jenes sei der Grund gewesen.“
Die Geschichte amerikanischer Putsche, verdeckter Operationen und militärischer Eingriffe zeigt eine klare Kontinuität über verschiedene Regierungen hinweg.
Ein Beispiel dafür ist die Schweinebucht-Invasion von 1961. Nach der kubanischen Revolution hatte Fidel Castro US-Unternehmen verstaatlicht und sich politisch der Sowjetunion angenähert. Bereits unter Präsident Dwight D. Eisenhower begann die Planung eines Regimewechsels. Unter seinem Nachfolger John F. Kennedy setzte die CIA diesen Plan um. Etwa 1.400 kubanische Exilanten wurden zur sogenannten Brigade 2506 ausgebildet und in Guatemala sowie Nicaragua trainiert. Ihr Auftrag war, in Kuba zu landen und einen Volksaufstand gegen Castro auszulösen.
Die Invasion begann am 17. April 1961 an der Schweinebucht, scheiterte jedoch innerhalb weniger Tage. Castro war bereits über die Operation informiert, und die erhoffte Revolte der Bevölkerung blieb aus. Rund 1.200 Invasoren gerieten in Gefangenschaft. Gleichzeitig versuchten die USA, die Operation als internen kubanischen Aufstand zu tarnen. Zu diesem Zweck wurden eingesetzte B-26-Bomber bewusst mit den Markierungen der kubanischen Luftwaffe versehen, um den Angriff wie eine Rebellion abtrünniger kubanischer Piloten erscheinen zu lassen – ein klassisches Beispiel für eine sogenannte False-Flag-Aktion.
Doch statt aus diesen Ereignissen Lehren zu ziehen, setzte die US-Regierung ihre interessengeleitete und ausbeuterische Politik unvermindert fort. Nur wenige Jahre später lieferte der sogenannte Tonkin-Zwischenfall einen Vorwand für die massive militärische Eskalation im Vietnamkrieg. 1964 meldete die US Navy, nordvietnamesische Schnellboote hätten amerikanische Kriegsschiffe im Golf von Tonkin angegriffen. Präsident Lyndon B. Johnson nutzte diesen Vorfall, um den Kongress zur Verabschiedung der Gulf of Tonkin Resolution zu bewegen. Diese gab ihm praktisch freie Hand für militärische Angriffe und schwerste Menschenrechtsverbrechen in Vietnam.
Spätere Untersuchungen, darunter die berühmten Pentagon-Papiere, zeigten jedoch, dass ein zentraler angeblicher Angriff am 4. August 1964 nie stattgefunden hatte. Die Ereignisse wurden bewusst falsch dargestellt, um den bereits geplanten direkten Kriegseintritt politisch durchzusetzen.
Auch bei den nächsten US-Regierungen setzte sich dieses Muster fort. Nachdem 1979 die sozialistische Sandinistenbewegung die von den USA unterstützte Diktatur in Nicaragua gestürzt hatte, begann die Regierung unter Ronald Reagan, sogenannte Contra-Rebellen zu unterstützen. Die CIA bildete Kämpfer aus, organisierte Trainingslager in Honduras und lieferte Waffen sowie finanzielle Mittel.
Die Contras führten einen Guerillakrieg gegen die Regierung, der von Angriffen auf Infrastruktur, Überfällen auf Dörfer sowie Entführungen und Mord an Zivilisten begleitet war. Nicaragua verklagte die USA schließlich vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. 1986 entschied das Gericht, dass die amerikanische Unterstützung der Contras gegen das Völkerrecht verstoßen habe.
Der Skandal erreichte seinen Höhepunkt in der sogenannten Iran-Contra-Affäre: Als der US-Kongress die Finanzierung der Contras verboten hatte, organisierte Teile der Regierung heimlich weiterhin Gelder. Waffen wurden an den Iran verkauft, und die Gewinne flossen verdeckt an die Contra-Rebellen. Ausgerechnet an jenes iranische Mullah-Regime also, das heute als Feindbild schlechthin dargestellt wird und dessen Sturz nun mit allen Mitteln forciert wird.
Auch im Vorfeld des Golfkriegs 1990 spielte gezielte Propaganda eine zentrale Rolle. Eine junge Frau namens Nayirah behauptete im US-Kongress, irakische Soldaten hätten in Kuwait Frühgeborene aus Brutkästen gerissen und sterben lassen. Die Geschichte löste weltweit Empörung aus und trug dazu bei, die Zustimmung für einen militärischen Krieg gegen den Irak zu mobilisieren. Später stellte sich heraus, dass die Aussage Teil einer von der kuwaitischen Regierung bezahlten PR-Kampagne der Agentur Hill & Knowlton war.
Der Irakkrieg von 2003 unter Präsident George W. Bush setzte diese Reihe völkerrechtswidriger Kriege fort. Die Invasion wurde mit der Behauptung begründet, Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen und sei in die Anschläge vom 11. September verwickelt. Keine dieser Behauptungen bestätigte sich später. Dennoch marschierten amerikanische und britische Truppen mit rund 300.000 Soldaten in den Irak ein – ohne ein Mandat der Vereinten Nationen. Der Krieg forderte Hunderttausende Todesopfer und hinterließ einen destabilisierten Staat, der über Jahre hinweg im Chaos von Bürgerkrieg, Terror und politischem Zerfall versank.
Immer wieder haben also westliche Mächte Kriege begonnen und sie mit Freiheit und Demokratie begründet. Doch was sie hinterließen, war Chaos, Krieg und „failed states“. Genau darauf weist Hudhur-e-Aqdas (ABA) hin:
„Wir müssen stets bedenken, dass die Dajjal-Mächte uns Muslime niemals in Frieden und Ruhe leben sehen wollen. Ihre eigentliche Agenda besteht gerade darin, die muslimische Welt beständig in Unruhe und Chaos zu stürzen.“
Um diese Agenda durchzusetzen, greifen westliche Mächte immer wieder auf eine alte Machtstrategie zurück: divide et impera, teile und herrsche. Auch der oft als Friedenspräsident dargestellte Barack Obama setzte diese Politik fort.
Ein besonders deutliches Beispiel dafür ist die westliche Einflussnahme im Syrienkrieg. Zwischen 2012 und 2017 lief unter dem Codenamen „Timber Sycamore“ ein umfangreiches Geheimprogramm der CIA. Gemeinsam mit Geheimdiensten mehrerer arabischer Staaten wurden verschiedene Rebellengruppen bewaffnet und ausgebildet, die gegen die syrische Regierung kämpften.
Innerhalb der Obama-Regierung äußerten einige Verantwortliche früh Bedenken. Es bestand die Gefahr, dass Waffen in die Hände extremistischer Gruppen gelangen könnten. Tatsächlich kämpften einige der von der CIA unterstützten Rebellen zeitweise an der Seite der Al-Nusra-Front, einer mit Al-Qaida verbundenen Organisation, die von den USA selbst als Terrororganisation eingestuft wurde. Berichte aus Geheimdienstkreisen sprachen zudem von schweren Menschenrechtsverletzungen durch einige dieser Milizen, darunter Hinrichtungen von Gefangenen.
Die bis heute als „moderate Freiheitskämpfer“ bezeichneten Gruppen waren also in Wirklichkeit tief von extremistischen Milizen durchdrungen. Wie beliebig solche Etiketten vergeben werden, zeigt auch der Umgang mit dem heutigen syrischen Machthaber Ahmed al-Shara: Noch vor wenigen Jahren wurde er als Terrorist eingestuft, doch heute gilt er plötzlich als so moderat, dass man vor wenigen Monaten sogar einen Staatsempfang für ihn in Deutschland plante.
All dies geschieht vor dem Hintergrund einer Region, die aufgrund ihrer Ressourcen und ihrer geopolitischen Lage seit Jahrzehnten im Zentrum globaler Machtinteressen steht. Doch statt diesen Reichtum gemeinsam zu nutzen und Stabilität aufzubauen, haben viele muslimische Staaten selbst die egozentrische und interessengeleitete Machtpolitik der Dajjal-Mächte übernommen.
Zu oft haben sich muslimische Staaten durch Rivalitäten, geopolitische Interessen oder kurzfristige Machtkalküle gegeneinander ausspielen lassen. Dahinter steht letztlich ein Mangel an moralischer Orientierung und eine Politik, die auf eigenen Interessen beharrt, statt die Rechte anderer zu erfüllen. Deshalb richtet Hudhur-e-Aqdas (ABA) einen eindringlichen Appell an die Weltmächte:
„Wenn das Unheil in der Welt gemindert werden soll, dann wird das nicht allein dadurch geschehen, dass man sein eigenes Recht einfordert, sondern man wird auch Rechte gewähren müssen.“
Ein dauerhafter Frieden kann nicht durch Machtpolitik oder das Einfordern eigener Interessen entstehen. Er setzt voraus, dass Staaten und Gesellschaften bereit sind, auch die Rechte anderer zu achten und Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Doch eine solche Haltung ist mehr als nur eine politische Strategie. Sie ist eine moralische Tugend und kann ohne eine tiefgreifende spirituelle Reform nicht entstehen. Für genau diese Reform hat Allah den Verheißenen Messias as gesandt. Wenn die Muslime diesen Ruf des Himmels, dieses Gebot der Stunde, nicht rechtzeitig erkennen, droht ihnen – und mit ihnen der gesamten Welt – eine ungeahnte Zerstörung. Hudhur-e-Aqdas (ABA) betont:
„Die Vorkehrung Allahs besteht darin, dass Er den Verheißenen Messias (AS) gesandt hat, damit dieser eine geeinte Umma bildet. Daher sollten wir auch über diesen Punkt nachdenken. Erst wenn wir darüber nachdenken, wenn die Länder der islamischen Welt und die Muslime dies reflektieren, werden sie den gegen sie gerichteten Unruhen und Konflikten entgehen können.“
In einer Welt, in der geopolitische Interessen immer wieder als legitime Operationen dargestellt werden, ist eine Frage entscheidend: Wird die Menschheit weiterhin denselben Mustern folgen, die letztlich immer zu Unheil und Krieg geführt haben, oder wird sie endlich den Mut finden, den Weg echter moralischer und spiritueller Reform einzuschlagen.