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Ein Klick entfernt – Die Versuchung im digitalen Zeitalter

Von Kashif Ahmed, Nuuruddin Redaktion

Jeder kennt es. Man nimmt das Handy nur für einen kurzen Moment in die Hand. Eigentlich wollte man nur eine Nachricht beantworten oder kurz etwas nachschauen. Doch plötzlich sind 30 Minuten vergangen. Aus einem Video wurden zehn. Aus einem Blick auf die sozialen Medien wurde eine Stunde des Scrollen.

Bilder, Videos, Reels, Trends und unzählige Benachrichtigungen kämpfen jede Sekunde um unsere Aufmerksamkeit. Noch nie in der Geschichte der Menschheit war der Zugang zu Versuchungen so einfach wie heute. Was früher Mühe erforderte, befindet sich heute nur einen Klick entfernt.

Viele erleben dabei einen inneren Konflikt. Sie wissen, dass manche Inhalte ihnen schaden. Sie wissen, dass sie Zeit verschwenden oder Dinge sehen, die Allah missfallen. Sie nehmen sich vor, damit aufzuhören und fallen dennoch immer wieder zurück.

Die Frage ist: Gibt es einen Ausweg?

Der Heilige Qur’an gibt uns eine klare Antwort:

„Und diejenigen, die in Unserer Sache bestrebt sind – Wir werden sie gewiss leiten auf Unseren Wegen. Wahrlich, Allah ist mit denen, die gütig sind.“ (Sure Al-Ankabut, 29:70)

Allah verspricht nicht, dass der Kampf leicht sein wird, aber er verspricht Hilfe für diejenigen, die kämpfen.

Der Heilige Prophet Muhammad (SAW) gab jungen Menschen einen besonderen Rat:

„O ihr jungen Menschen! Wer von euch die Möglichkeit hat zu heiraten, der soll heiraten. Denn dies hilft ihm, seinen Blick zu senken und seine Keuschheit zu bewahren. Wer jedoch nicht in der Lage ist zu heiraten, der soll fasten, denn das Fasten schwächt die Begierde.“ (Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 5066)

Das Fasten stärkt die Selbstbeherrschung. Es lehrt den Menschen, seinen Begierden nicht sofort nachzugeben. Genau diese Fähigkeit braucht man auch im digitalen Zeitalter, denn die größte Schlacht findet nicht auf dem Bildschirm statt, sondern im eigenen Herzen.

In einer Sitzung erklärte Hudhur-e-Aqdas (ABA), dass eine der Bedingungen der Tauba (Reue) darin besteht, den festen Entschluss zu fassen, eine Sünde nicht wieder zu begehen.

Natürlich ist der Mensch schwach. Es kann vorkommen, dass jemand trotz ehrlicher Reue wieder einen Fehler begeht. Dann soll er erneut Tauba machen und Allah um Vergebung bitten. Doch wahre Reue bedeutet mehr als nur Worte.

Hudhur (ABA) erklärte, dass im Herzen eine echte Abneigung gegen die Sünde entstehen muss. Erst wenn er beginnt, sie als etwas Schädliches und Erniedrigendes zu betrachten, wird der Weg zur Befreiung möglich.

Hudhur (ABA) erzählte hierzu eine bemerkenswerte Begebenheit aus Ghana.

In Ghana gab es einen Wachmann. Er war ein sehr guter Ahmadi und betrieb ausgezeichnete Tabligh-Arbeit. Er kannte viele Bibelstellen auswendig und konnte bei Gesprächen sogar christliche Missionare zum Schweigen bringen. Auch viele Quranverse hatte er auswendig gelernt. Ich hatte ihn als Sicherheitswächter auf einer Baustelle eingestellt. Damals war Zement schwer zu bekommen. Ich hatte viele Zementsäcke gesammelt und gelagert. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass etwas an Zementsäcken fehlte. Ich fragte ihn, aber er sagte: „Nein, alles ist in Ordnung.“ Einige Tage später bemerkte ich wieder einen Mangel. Da wurde er misstrauisch und dachte, dass ich Verdacht geschöpft hatte.

Eines Morgens kam er ganz aufgeregt zu mir und sagte: „Oh, ein großes Unglück ist geschehen!“ Ich fragte: „Was ist passiert?“ Er sagte: „In der Nacht wurde hier eingebrochen. Jemand hat ein Fenster und eine Tür aufgebrochen und viele Zementsäcke wurden gestohlen.“ Ich sagte: „Geh zur Polizei und erstatte Anzeige.“

Der Polizeibeamte war ein kluger Mann. Er sagte zu ihm: „Komm du erst einmal herein.“ Dann sperrte er ihn ein und sagte: „Jetzt werden wir den Fall untersuchen.“

Nach einigen Ermittlungen gestand der Wachmann schließlich, dass er selbst die Säcke gestohlen hatte.

Ich sagte zu ihm: „Du bist doch ein guter Mensch. Du betest regelmäßig, machst Tabligh für die Ahmadiyya und seit 20 Jahren bist du Ahmadi. Wie konntest du so etwas tun? Du hast uns in Verruf gebracht und mich beschämt.“

Er antwortete: „Meister, die Versuchung war einfach zu groß.“ Ich sagte: „Die Versuchung kam also einen Tag? Und dann noch einen zweiten Tag? Aber du hast seit drei Monaten täglich Zementsäcke gestohlen! Deine Versuchung ist offenbar nie verschwunden!“ Das ist keine Tauba.

Dann erklärte er (ABA) einen wichtigen Grundsatz: Wenn die Versuchung vor dir liegt, musst du die Augen davor verschließen. Du musst dein Äußerstes tun, um die Sünde zu vermeiden.

(Sitzung der Studenten der Jamia Ahmadiyya am 3. Dezember 2016 mit Hadhrat Khalifat-Ul-Masih V (ABA))

Wie oft sagen wir heute: „Ich bin nur zufällig auf dieses Video gestoßen. Ich wollte nur kurz schauen. Es ist einfach passiert.“ Doch in Wahrheit kehren wir häufig freiwillig zu denselben Dingen zurück. Wahre Tauba bedeutet, die Türen zur Sünde bewusst zu schließen.

In einer weiteren Sitzung wurde Hudhur (ABA) gefragt, wie man schlechte Gedanken und Versuchungen loswerden könne. Seine Antwort war klar: Zunächst braucht es einen festen Entschluss. Dann muss man Allah um Hilfe bitten.

Außerdem empfahl Hudhur (ABA):

  • regelmäßig Istighfar zu lesen,
  • Sadqa zu geben,
  • sich mit guten und nützlichen Dingen zu beschäftigen,
  • und immer wieder zu Allah zurückzukehren.

Er betonte, dass langjährige Gewohnheiten nicht über Nacht verschwinden. So wie man viele Jahre benötigt, um Wissen zu erwerben, benötigt auch die Läuterung der Seele Zeit, Geduld und Ausdauer.

(Digitale Sitzung der Studenten der Jamia Ahmadiyya Indonesien am 31. Oktober 2020 mit Hadhrat Khalifat-Ul-Masih V (ABA))

Besonders bewegend sind die Worte, die Hudhur (ABA) einem jungen Khadim mit auf den Weg gab:

„Gib nicht auf. Stärke deinen Entschluss. Bete zu Allah, dem Allmächtigen, dass Er dich befähigt, diese schwierige Zeit zu überstehen. Wende dich dem Gottesdienst noch mehr zu. Verrichte vermehrt Istighfar und rezitiere Durood. Sei mutig. Ein Gläubiger sollte seinen festen Entschluss niemals aufgeben.“

(Sitzung mit Studenten der Majlis Khuddam-Ul-Ahmadiyya Deutschland am 26.04.2024 mit Hadhrat Khalifat-Ul-Masih V (ABA))

Diese Worte sind für jeden von Bedeutung. Vielleicht bist du gefallen. Vielleicht kämpfst du seit Monaten oder sogar Jahren gegen dieselbe Versuchung. Vielleicht denkst du, dass du es nie schaffen wirst. Doch genau das ist die Lüge Satans.

Solange du Reue empfindest, solange du Allah um Hilfe bittest, solange du weiterkämpfst, ist die Tür der Barmherzigkeit Allahs offen. Das digitale Zeitalter bietet zwar unzählige Möglichkeiten, aber auch unzählige Versuchungen.

Mit viel Gebet, viel Istighfar, dem Fasten, Durood, guten Gewohnheiten und einem festen Entschluss kann jeder Mensch Schritt für Schritt die Kontrolle über sein Leben zurückgewinnen.

Die Versuchung mag stark sein. Doch merke dir eins: Allah ist stärker und wer sich Allah zuwendet, wird niemals allein kämpfen.