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Verführerischer Trend: Die stillen Gefahren des Vapings

Redaktion: Assalamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu, Liebe Khuddam-Brüder,

Vaping und E-Zigaretten gehören heute für viele Jugendliche fast schon zum Alltag. Bunte Farben, süße Geschmacksrichtungen und der Eindruck, sie seien harmloser als Zigaretten, machen sie besonders attraktiv. Doch aktuelle Zahlen zeigen eine besorgniserregende Entwicklung. Nach der Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) konsumieren mittlerweile 9,6 % der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig oder gelegentlich Nikotinprodukte. Im Jahr 2021 waren es noch 6,1 %. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Mehrweg-E-Zigaretten, die vor allem bei Mädchen deutlich an Beliebtheit gewonnen haben. Für den Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist diese Entwicklung ein „klares Warnsignal“, da Nikotinprodukte für junge Menschen heute sichtbarer, leichter verfügbar und gezielt attraktiver vermarktet werden.

Vor diesem Hintergrund möchten wir heute nicht nur darüber sprechen, was Vapes und Zigaretten medizinisch mit unserem Körper machen, sondern auch darüber, welche Orientierung uns der Islam gibt und wie wir junge Menschen vor einer Sucht schützen können.

Dafür begrüßen wir heute ganz herzlich den Bruder Dr. Hamzah Shaheen.
Assalamu Alaikum Warahmatullah Wabarakatohu.

Dr. Hamzah Shaheen: Wa Alaikum Salam Warahmatullah Wabarakatohu. Mein Name ist Dr. Hamzah Shaheen. Ich bin aus der Majlis Pinneberg. Ich bin 29 Jahre alt. Ich habe sechs Jahre lang Humanmedizin studiert. Nach dem Studium war ich dann circa drei bis vier Jahre in einer Klinik tätig in der inneren Medizin und bin jetzt seit über einem Jahr in einer Allgemeinmedizin-Praxis als Hausarzt tätig.

Redaktion: Jazakumullah lieber Bruder. Kommen wir zur ersten Frage: Wenn wir heute durch Innenstädte oder an Schulen vorbeigehen, sieht man leider immer häufiger Jugendliche mit einer Vape in der Hand. Die aktuelle Drogenaffinitätsstudie zeigt, dass der Nikotinkonsum unter Jugendlichen wieder ansteigt.

Warum erleben wir diesen Trend gerade jetzt? Was macht Vapes insbesondere für junge Menschen so attraktiv?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, der Trend ist tatsächlich bewusst mit den Vapes gemacht. Sie sind vor allem für Jugendliche ansprechend gestaltet – sowohl durch ein modernes Design als auch durch die verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen, die häufig eher süßlich sind. Dadurch entsteht bei Jugendlichen der Eindruck, dass es sich um etwas Harmloses handelt. Natürlich kommt auch Social Media dazu. Dort wird ebenfalls viel Werbung für Vapes gemacht. Zum einen sind es also die Gestaltung, das Design und die leichte Verfügbarkeit.

Auf der anderen Seite sind diese Geräte einfach zu benutzen und können zwischendurch verwendet werden. Es ist nicht wie bei normalen Zigaretten, die man vielleicht selbst drehen oder anzünden muss und wofür man häufig draußen sein muss. Vapes werden leider auch meistens in Innenräumen benutzt, was ebenfalls ein Problem ist.

Und genau aufgrund dieser ganzen Gründe ist vor allem das jugendliche Gehirn anfälliger für genau diese Art von Abhängigkeit. Deshalb sieht man auch, dass die Zahlen vor allem beim Vapen in der jüngeren Altersgruppe steigen.

Redaktion: Viele sagen: „Es ist doch nur Wasserdampf.“ Stimmt das wirklich? Was wird beim Vapen tatsächlich eingeatmet und welche Stoffe gelangen dabei in unseren Körper?

Dr. Hamzah Shaheen: Nein, das stimmt so nicht. Also, eine Vape ist nicht einfach nur Wasserdampf, sondern ein sogenanntes Aerosol. Das ist eine Mischung aus einigen chemischen Stoffen und Flüssigkeitsbestandteilen. Die Hauptbestandteile sind Propylenglykol, pflanzliches Glycerin und bestimmte Aromastoffe und in den meisten Fällen auch Nikotin. Nikotin kennt man auch von den Zigaretten. Das ist der Stoff, der schnell abhängig macht und innerhalb von Sekunden nach dem Inhalieren auch das Gehirn erreicht. Zudem gibt es andere gesundheitsschädliche Stoffe, zum Beispiel Formaldehyd oder Acetaldehyd. Die unterscheiden sich aber je nach Gerät oder je nach Liquidform und je nachdem, wie man das dann auch verwendet.

Es gibt einige Studien, die zeigen, dass tatsächlich nicht alle Hauptbestandteile, die angegeben sind, auch wirklich enthalten sind. In den Analysen sind dann auch andere Bestandteile dabei, die gar nicht als solche deklariert sind. Und die Sache bei diesen Liquids ist auch, dass es noch keine großartigen Langzeitstudien oder Langzeitdaten gibt und man für viele dieser Stoffe gar nicht sagen kann, wie bedenklich oder unbedenklich diese sind. Von einigen weiß man das schon, zum Beispiel beim Nikotin. Da weiß man schon, dass das schädlich für den Körper ist. Aber bei den restlichen Stoffen gibt es noch keine Langzeitstudien.

Redaktion: Wenn jemand die Vape benutzt? Was genau geschieht in im Körper? Welche Auswirkungen hat das auf Gehirn, Lunge und Herz-Kreislauf-System?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, wie vorher erwähnt, inhaliert man beim Vapen diese Aerosole, in denen sowohl Nikotin als auch bestimmte andere Schadstoffe enthalten sind. Diese toxischen Stoffe gelangen dann über die Atemwege in den Körper.

Ich hatte Nikotin schon angesprochen. Das erreicht das zentrale Nervensystem auch relativ schnell. Dadurch wird das Belohnungssystem im Gehirn angeregt, Dopamin wird ausgeschüttet und dadurch wird die Abhängigkeit dann auch gefördert. Das ist die Veränderung im Gehirn.

Dann bezüglich der Lunge ist relativ eindeutig, dass es die Atemwege reizt. Man nennt das auch pulmonalen oxidativen Stress. Es kommt zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen und auch die lokale Abwehr beziehungsweise das Immunsystem wird dadurch beeinträchtigt.
Und dann die dritte Sache, das Herz-Kreislauf-System. Diese E-Zigaretten oder generell das Vaping führen dazu, dass die Herzfrequenz steigt, der Blutdruck sich auch erhöhen kann und das auch die Gefäße schädigt.

Aber wie gesagt, die Effekte, also die Langzeiteffekte, die auch das Herz-Kreislauf-System betreffen, wird man dann in den kommenden Jahren erst so richtig sehen.

Redaktion: Ein Satz, den man immer wieder hört, lautet: „Vapen ist doch viel gesünder als Rauchen.“ Wie bewertest du diese Aussage aus medizinischer Sicht? Was unterscheidet eine klassische Zigarette von einer E-Zigarette und welche gesundheitlichen Risiken haben beide gemeinsam?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, wenn man das pauschal oder allgemein betrachtet, könnte man anhand dessen, was wir bisher wissen, sagen, dass Vaping vielleicht ein Tick gesünder ist als das Rauchen. Deswegen empfiehlt man auch als Arzt oder aktuell in den Praxen noch häufig – beziehungsweise das ist auch in Studien oder Leitlinien zu sehen –, dass Leute, die eine Abhängigkeit von Nikotin oder von normalen Zigaretten haben, auf E-Zigaretten umsteigen können und zwar als Übergangslösung, sodass ihnen der komplette Verzicht nicht zu schwerfällt. Denn durch normale Zigaretten werden durch die Verbrennung sehr viele Chemikalien und dadurch natürlich auch krebserregende Stoffe freigesetzt.

Nach dem, was wir aktuell wissen, sind diese in deutlich größerer Menge vorhanden als beim Vaping. Aber wie schon vorhin erwähnt, enthält auch das Vaping weiterhin viele schädliche Stoffe, die wir einatmen, unter anderem auch Nikotin. Selbst wenn man das Nikotin weglässt, gibt es trotzdem noch zahlreiche andere schädliche Stoffe.

Das heißt, als Nichtraucher oder vor allem als Jugendlicher sollte man – ja, es ist eigentlich eindeutig – beide Sachen als sehr schädlich betrachten. Nur für, wie gesagt, Langzeitraucher könnte das als Übergangslösung genutzt werden. Deswegen ist das vielleicht auch so bekannt: Okay, Vaping ist vielleicht eine Übergangslösung, nicht schlecht, aber es ist halt wirklich für die chronischen Raucher, die sowieso schon sehr abhängig sind.

Ansonsten hatte ich ja erwähnt, dass auch das Vaping beziehungsweise die darin enthaltenen Stoffe sowohl für das Gehirn als auch für die Lunge und das Herz-Kreislauf-System schädlich sind.

Redaktion: Viele Jugendliche glauben, sie könnten jederzeit wieder aufhören. Warum entwickelt sich eine Nikotinabhängigkeit oft schneller, als man denkt? Was passiert dabei im Gehirn?

Dr. Hamzah Shaheen: Nikotin ist ein Stoff beziehungsweise eine Substanz, die sehr stark abhängig macht und auch schnell das Gehirn beziehungsweise das Belohnungssystem erreicht. Dabei wird Dopamin sozusagen ausgeschüttet und dadurch wird das Gehirn darauf getrimmt, dass Nikotin gleich Belohnung bedeutet.

Und genau wie bei anderen Substanzen ist es auch beim Nikotin der Fall, dass sich nach einer gewissen Zeit eine bestimmte Toleranz entwickelt und man immer mehr braucht, um dieses Belohnungssystem zu befriedigen und genau denselben Effekt sozusagen zu erreichen. Und wenn man dann das Nikotin nach einer gewissen Zeit komplett weglässt, hat man bestimmte Entzugssymptome wie Unruhe, Reizbarkeit, Wut und Konzentrationsprobleme und dann natürlich auch körperliche Probleme wie Zittern, Schweißproduktion et cetera. Also, da gibt es dann einige Entzugssymptome, wenn man das weglassen möchte.

Gerade bei Jugendlichen hatte ich ja erwähnt, dass das Gehirn noch nicht vollständig entwickelt beziehungsweise so fortgeschritten ist. Das heißt, da ist es noch gefährlicher, eine Abhängigkeit zu entwickeln beziehungsweise die Gefahr einer Abhängigkeit ist höher.

Redaktion: Unser geliebter Hudhoor (ABA), Hazrat Mirza Masroor Ahmad (ABA), wurde in einer Mulaqat mit Khuddam aus Kanada gefragt, warum manche Jugendliche Vaping gar nicht mehr als problematisch ansehen.

Hudhoor (ABA) erklärte, dass häufig nicht nur die Vape selbst das Problem sei, sondern dass eine schwächere Beziehung zu Allah, die Vernachlässigung des Gebets, schlechter Umgang sowie ein übermäßiger Konsum von sozialen Medien und Internet eine wichtige Rolle spielen können. Gleichzeitig betonte Hudhoor (ABA), dass betroffene Jugendliche nicht ausgegrenzt werden dürfen. Vielmehr sollten sie mit Verständnis begleitet und durch gute Freundschaften wieder näher zu Allah geführt werden.

Hamzah Sb, auch aus medizinischer Sicht entsteht eine Sucht meist nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Welche Bedeutung haben dabei das soziale Umfeld, Gewohnheiten und psychische Einflüsse?

Dr. Hamzah Shaheen: Ja, genau. Also, Hudhoore Aqdas (ABA) hat das eigentlich perfekt beschrieben: Es ist meistens eine Kombination aus vielen dieser Faktoren, warum man überhaupt in diese Sucht hineingerät. Es ist halt meistens nicht einfach nur ein einzelner Auslöser. Und wie Hudhoore Aqdas (ABA) es eigentlich erwähnt hatte, hat das soziale Umfeld einen Rieseneinfluss. Das heißt, wenn der Freundeskreis insgesamt auch konsumiert, steigt das eigene Risiko deutlich. Das ist eigentlich bei allen Süchten so, nicht nur beim Vaping, sondern auch bei Zigaretten oder Alkohol.

Und dann gibt es natürlich noch andere Faktoren wie Stress oder einfach Gewohnheiten. Wenn man zum Beispiel beim Lernen oder in den Pausen das einfach verwendet. Ich hatte vorher angesprochen, dass beim Vaping die Gefahr besteht, dass man es schnell benutzen kann und es sehr, ich sage mal, präsent ist.

Man muss dafür nicht erst viele Schritte machen, sondern man hat es meistens schon handlich in der Tasche und kann dann sozusagen direkt diese schädlichen Aerosole inhalieren. Und deswegen ist es eigentlich, wie Hudhoore Aqdas (ABA) gesagt hatte, so, dass sowohl die eigene Spiritualität beziehungsweise die Bindung zu Allah eine große Rolle spielt, als auch der Konsum von sozialen Medien und natürlich der Freundeskreis. Das sind alles Faktoren, die einen Einfluss haben.

Redakion: Der Heilige Qur’an erinnert uns: وَلَا تُلۡقُوۡا بِاَیۡدِیۡکُمۡ اِلَی التَّہۡلُکَۃِ
–  und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben – (2:196) Hamzah Sb, wie wichtig ist dieses Bewusstsein aus medizinischer Sicht? Welche Folgen kann es haben, wenn wir unsere Gesundheit über Jahre hinweg vernachlässigen?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, wie im Heiligen Koran erwähnt ist, hat man die Gesundheit beziehungsweise viele Dinge auch selbst in der Hand, sozusagen. Das heißt, auch aus medizinischer Sicht – ich bin, wie gesagt, in der Allgemeinmedizin tätig – ist im besten Fall die Prävention immer der bessere Weg. Prävention ist immer besser als die Behandlung, einfacher und natürlich auch erfolgreicher.

Und vor allem als Jugendliche oder als junge Personen beziehungsweise junge Erwachsene merkt man die Schäden zunächst nicht sofort. Das ist manchmal tückisch, weil die ganzen Schäden, die ich jetzt bezüglich der Lunge oder der Herz-Kreislauf-Problematiken erwähnt hatte, erst mit zunehmendem Alter bemerkbar werden, weil dann auch andere Risikofaktoren eine Rolle spielen. Je länger man zum Beispiel den Konsum von Nikotin fortsetzt, desto eher entwickeln sich chronische Lungenerkrankungen bis hin zu Lungenkrebs. Dann auch ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Also, es gibt viele dieser Folgen, die zunächst nicht sofort zu sehen oder bemerkbar sind, sondern erst mit zunehmendem Alter auftreten. Und häufig – was ich auch jetzt in meiner Praxis erlebe – bereut man es am Ende, dass man nicht präventiv gehandelt hat, sondern erst im fortgeschrittenen Alter mit schweren Erkrankungen zu kämpfen hat, die nicht nur einen selbst beeinträchtigen, sondern dann auch die gesamte Familie und das gesamte Umfeld. Und deswegen hatte ich auch initial erwähnt: In der Medizin ist die Prävention immer deutlich besser als die spätere Behandlung.

Redaktion: Welche langfristigen Auswirkungen kann regelmäßiges Vapen oder Rauchen auf die körperliche und geistige Gesundheit haben haben – gerade dann, wenn bereits im Jugendalter damit begonnen wird?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, ich habe eigentlich einige der langfristigen Auswirkungen schon angesprochen. Bezüglich des Vapings hatte ich erwähnt, dass es leider noch nicht viele Langzeitstudien gibt, sodass man das nicht zu 100 Prozent sagen kann. Beim Rauchen ist das im Vergleich dazu schon eindeutig. Durch Nikotin beziehungsweise durch das Tabakrauchen gibt es langfristig Schäden, insbesondere chronische Lungenerkrankungen, zum Beispiel COPD, und natürlich Lungenkrebs, der im Vergleich zur Normalpopulation bei Rauchern deutlich häufiger auftritt.

Dann gibt es Gefäßproblematiken beziehungsweise Gefäßverkalkungen, die wiederum zu anderen Problemen wie Bluthochdruck, einem erhöhten Schlaganfallrisiko oder einem Herzinfarkt führen können. Generell besteht natürlich auch ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Und je früher man anfängt, also vor allem als Jugendlicher, desto höher steigt das Risiko – sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Abhängigkeitsrisikos.

Und natürlich spielt auch die psychische Gesundheit eine Rolle. Es gibt Studien, die zeigen, dass Angststörungen oder auch Depressionen mit Suchterkrankungen zusammenhängen. Das ist eindeutig. Beim Vaping gibt es, wie gesagt, nicht diese eindeutigen Studien. Aber generell haben Suchterkrankte nicht nur für die einzelne Sucht ein erhöhtes Risiko, sondern sie entwickeln dann auch andere Süchte und versuchen, ihre Bedürfnisse beziehungsweise ihre körperlichen Bedürfnisse mit anderen Süchten zu decken. Und das sieht man auch beim Vaping zum Beispiel: Dann versucht man oder auch bei anderen Arten von Drogen, erst mal mit vermeintlich harmlosen Drogen anzufangen und das steigert sich dann immer weiter. Und das hat, wie gesagt, nicht nur diese körperlichen Auswirkungen, sondern auch die psychischen Auswirkungen.

Redaktion: In der Abschlussansprache zur Jalsa Salana UK erinnerte unser geliebter Hudhoor (ABA) an die Bedingungen der Bai’at. Dazu gehört auch, sich nicht von den eigenen Begierden beherrschen zu lassen, sondern Selbstbeherrschung zu entwickeln und sein Leben nach den Geboten Allahs auszurichten. Gerade bei Suchterkrankungen scheint Selbstbeherrschung eine entscheidende Rolle zu spielen.

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrem Berufsalltag: Was hilft Menschen langfristig dabei, eine Nikotinabhängigkeit zu überwinden?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, tatsächlich ist das Wichtigste für uns Ahmadies, wenn man eine Sünde angehen möchte oder ein Problem vor sich hat, natürlich der erste Schritt: Dua. Ohne Allahs Unterstützung oder Allahs Hilfe kann der Mensch eigentlich nichts alleine schaffen. Vor allem bei einer Suchterkrankung, bei der eine große Abhängigkeit eine Rolle spielt und der Körper und die Psyche bereits abhängig sind, braucht man die Unterstützung Allahs. Ohne das geht es tatsächlich gar nicht.

Und was ich aus meiner Erfahrung gesehen habe: Ich habe auch einige Jahre in einer Lungenklinik gearbeitet und dort habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei den Menschen einfach Klick machen muss. Es muss ein Umdenken stattfinden. Es muss einen inneren Willen geben, dass man damit aufhört. Also, das ist eigentlich der allerwichtigste Schritt. Natürlich gibt es dann Präparate und eine Nikotinersatztherapie. Es gibt auch bestimmte Gruppen oder Beratungsstellen, die dabei unterstützen können. Aber solange es bei den Menschen selbst nicht diesen Klick gemacht hat und man nicht diesen festen Entschluss gefasst hat, wird man keinen Erfolg haben. Das habe ich, wie gesagt, auch in der Lungenklinik gesehen.

Es gibt Leute, die 40, 50 Jahre geraucht haben und von einem Tag auf den anderen ohne irgendeine Nikotinersatztherapie, Nikotinpflaster oder Ähnliches sofort aufgehört haben, weil sie einfach diesen festen Entschluss gefasst haben. Und dann wiederum gibt es Leute, die vielleicht nicht so lange geraucht haben, aber nicht so fest entschlossen waren. Dort hat jegliche Unterstützung – Nikotinpflaster, Beratung, professionelle Unterstützung – trotzdem nicht viel gebracht, weil sie dann wieder angefangen haben. Also, das ist, wie gesagt, der wichtigste Schritt.

Dann muss man natürlich schauen – das hatten wir vorhin angesprochen –: das soziale Umfeld, Auslöser erkennen, warum man das braucht, welche Gewohnheiten man hat und wie man eine Art Ersatz finden kann. Vor allem sei es jetzt Ausdauersport oder ein gesundes Hobby. Das ist halt wichtig und natürlich parallel dazu das Dua.

Redaktion: Viele Jugendliche schämen sich dafür, dass sie abhängig geworden sind. Was würden Sie einem jungen Khadim sagen, der heute zuschaut, ehrlich mit dem Vapen oder Rauchen aufhören möchte, aber immer wieder rückfällig wird?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, zunächst einmal: Du musst dich auf keinen Fall schämen. Suchterkrankungen, sei es das Vaping oder das Nikotin, sind Erkrankungen und keine Schwäche des Charakters oder von einem selbst. Das heißt, das muss man erst einmal erkennen und dann muss man auch die Hilfe annehmen, sei es von der eigenen Familie, von den Eltern, von einem Bruder oder zum Beispiel von einem Arzt.

Und wie gesagt, dann muss man als Allererstes natürlich Allah um Hilfe bitten. Für Allah ist alles möglich. Er kann alles von einem auf den anderen Tag umstellen. Ich hatte vorhin erwähnt: Es gibt Leute, die 40, 50 Jahre in dieser Sucht gefangen waren und nur einen Tag gebraucht haben, um diese Sucht abzulegen. Das heißt, wenn Allah will, dann wird das auch bei dir genauso klappen. Und selbst wenn man zwischendurch Rückfälle hat, heißt das nicht, dass man wieder alles verloren hat. Das ist genauso wie bei anderen Sünden oder Fehlern, die man begeht. Da ist es genauso, dass man dann um Vergebung bittet oder Allah um erneute Unterstützung bittet und anschließend wieder von vorne anfängt.

Und das ist, wie gesagt, nicht schlimm, wenn man mehrere Anläufe braucht. Aber es ist wichtig, aufzustehen und dann auch wieder weiterzumachen.

Rdaktion: Hamzah Sb, wir haben heute über die gesundheitlichen Folgen von Vaping und Rauchen gesprochen, aber auch darüber, welche Orientierung uns der Islam gibt und wie wichtig eine starke Beziehung zu Allah, ein gutes Umfeld und Selbstbeherrschung sind. Gibt es noch etwas, das das du unseren Khuddam ganz persönlich mit auf den Weg geben möchtest?

Dr. Hamzah Shaheen: Also, die beste Entscheidung ist eigentlich, gar nicht erst damit anzufangen – sei es mit dem Vaping, dem traditionellen Rauchen von Zigaretten oder mit anderen Süchten. Man sollte, wie gesagt, präventiv arbeiten. Das heißt, gar nicht erst damit anfangen, das soziale Umfeld dementsprechend umstellen, auf den Konsum sozialer Medien achten und natürlich das Allerallerwichtigste: eine starke Bindung zu Allah aufbauen und Allah darum bitten, dass man vor solchen Versuchungen bewahrt bleibt.

Damit man sowohl im Glauben nicht abfällt als auch präventiv dafür sorgt, dass man weder im akuten Zustand noch später gesundheitliche Schäden davonträgt. Wenn man aber bereits angefangen hat oder leider schon mit diesen Süchten zu kämpfen hat, sollte man den Mut haben zu sagen: „Ich brauche Hilfe.“ Und man muss auch bedenken: Je früher man mit diesen Sachen aufhört, desto besser beziehungsweise desto schneller kann sich der Körper wieder erholen. Das heißt: Lieber heute aufhören als morgen.

Ich hatte auch meine Erfahrung als Hausarzt beziehungsweise als Arzt in der Klinik bereits erwähnt: Der Körper ist zu einigem in der Lage. Wenn man den bestimmten Willen hat, kann man sehr, sehr viel verändern und sehr schnell Positives erreichen.

Und deswegen, wie gesagt: Im besten Fall gar nicht erst anfangen. Wenn man aber schon mit diesen Süchten zu kämpfen hat, dann so schnell es geht Hilfe bei Allah, bei der Familie, bei Freunden oder, wenn es sein muss, beim Arzt suchen und dann so schnell es geht einen Ausstieg aus diesen Sachen finden.

Redaktion: Jazakumullah, lieber Bruder für deine Zeit und die wertvollen Einblicke.

Liebe Khuddam,
wir hoffen, dass dieses Gespräch gezeigt hat, dass Vaping und Rauchen keineswegs harmlose Gewohnheiten sind. Sie können unserer Gesundheit schaden, zu einer Abhängigkeit führen und uns langfristig sowohl körperlich als auch geistig beeinträchtigen.
Als Ahmadis tragen wir Verantwortung für unseren Körper, denn er ist eine Amanah. Es ist ein anvertrautes Gut Allahs.

Möge Allah uns allen die Kraft schenken, schädliche Gewohnheiten zu meiden, unsere Verbindung zu Ihm zu stärken und stets Entscheidungen zu treffen, die unserem Glauben und unserer Gesundheit zugutekommen. Amin.