Zufall oder Schöpfung? Vom Urknall zur Frage nach Gott
Von: Basil Ahmad
Wie ist das Universum entstanden? Eine uralte Frage, die Wissenschaftler und Philosophen schon seit Jahrhunderten beschäftigt.
Steven Weinberg, ein amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger, sagte einst: „Je begreiflicher uns das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns.“ Damit möchte Weinberg uns sagen, dass das Universum vermutlich völlig zwecklos ist und nur aus Zufall entstand.
Eine weitere These stammt von dem Physiker Max Tegmark. Diese besagt, dass unsere Realität die Mathematik nicht nur beschreibt, sondern auch aus Mathematik besteht. Laut dieser These ist unser Universum, also unsere Realität, nichts Biologisches, sondern eine fortlaufende, mathematische Gleichung.
Auf der anderen Seite sagt Dr. Abdus Salam Sahib, ein gläubiger Ahmadi-Muslim und Nobelpreisträger in Physik, dass zwischen Religion und Wissenschaft kein Konflikt bestehe. Er befand sich damit in der Minderheit der Wissenschaftler, denn er glaubte an Gott und daran, dass unser Universum von Ihm erschaffen wurde.
Als Ahmadi-Muslime haben wir eine der größten Verantwortungen von Allah erhalten: Wir müssen die Botschaft Gottes verbreiten. Um dies tun zu können, müssen wir sie zunächst selbst verstehen. Existiert Allah wirklich? Und wie können wir beweisen, dass Er existiert?
Der Ursprung von allem: Der Urknall
Wenn wir 13,8 Milliarden Jahre in der Zeit zurückgehen, stoßen wir auf ein faszinierendes Ereignis: den Urknall.
Die erste Idee des Urknalls stammt von dem belgischen Theologen und Astrophysiker Georges Lemaître. Sein Einfall basierte auf dem logischen Zurückdenken der Entwicklung des Universums: Er beobachtete, dass sich das Universum derzeit kontinuierlich ausdehnt; daher musste es in der Vergangenheit kleiner gewesen sein.
Im Jahr 1931 kam er zu dem Entschluss, dass das Universum anfangs ein unvorstellbar dichter Punkt war, der sich schließlich ausbreitete. Dieser Punkt wird auch „Kosmisches Ei“ oder „Ur-Atom“ genannt. Nach dessen Zerfall entstanden die einzelnen Teile unseres Universums.
Man spricht also von keiner direkten Explosion, sondern von der Entstehung des Raum-Zeit-Kontinuums. Das bedeutet: Raum, Zeit und Materie haben sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit ausgebreitet und dehnen sich noch immer zum heutigen Universum aus.
Diese Idee existierte jedoch schon vor ungefähr 1.400 Jahren und zwar im Heiligen Qur’an. Allah sagt im Heiligen Qur’an:
„Haben die Ungläubigen nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde in einem einzigen Stück waren, dann zerteilten Wir sie? Und Wir machten aus Wasser alles Lebendige. Wollen sie denn nicht glauben?“ (21:31)
Hier wird genau dieselbe Idee erklärt. Das Universum befand sich in einem kompakten Punkt und breitete sich schließlich aus.
Die Idee von Lemaître ist also der Vorläufer der weltweit bekannten „Big Bang Theory“ (Urknalltheorie). Diese Theorie ist heute nicht nur allgemein bekannt, sondern konnte durch die moderne Wissenschaft weiter verfeinert werden. Noch immer arbeiten viele Physiker an diesem Thema, doch es gibt eine Frage, die uns weiterhin beschäftigt: Nun, da wir wissen, dass der Urknall den Ursprung unseres Universums darstellt, wie entstand dann das „Ur-Atom“?
Die Feinabstimmung des Universums
Wenn wir unseren Blick nun vom großen Ganzen des Universums auf seine Bestandteile lenken, sind wir von seiner Komplexität fasziniert. Von Atomen über Planeten bis hin zu ganzen Sonnensystemen: Das komplette Universum zu erklären, ist unmöglich.
Zwar kann man das Universum in Galaxien, Planeten und Sonnensysteme unterteilen, doch für den menschlichen Verstand ist es unmöglich, das gesamte Universum zu erfassen oder gar zu verstehen. Genau an diesem Punkt lässt sich ein weiteres Argument für die Existenz Gottes anbringen: Das Universum kann nicht von Menschenhand erschaffen worden sein, bedingt durch die Grenzen unserer Kräfte und unserer Wahrnehmung.
Der Verheißene Messias (AS) schreibt hierzu:
„Niemals kann ein Mensch erschaffen; auch nur den Fuß eines Insekts. Warum sollte es dann einfach für ihn sein, göttliches Licht zu schaffen?“
Doch wie entstand das Ur-Atom und daraus schließlich das Universum? Kann man ausschließen, dass das Universum und seine Bestandteile durch reinen Zufall entstanden sind?
Jedes Atom, jedes Staubkorn und alle Dinge, die uns umgeben, sind genau da, wo sie sein müssen. Wenn ein Gesetz oder eine der feinen Ebenen des Universums nur eine Haaresbreite von ihrem Platz entfernt wäre, könnten bestimmte Atome, Planeten oder wir Menschen heute gar nicht existieren. Zu behaupten, dass dies alles bloßer Zufall sei, ist widersinnig.
Der Physiker und Nobelpreisträger Roger Penrose untersuchte mathematisch den Anfangszustand des Universums beim Urknall. Er kam zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis bei 1 zu 10 hoch 123 lag – einer Zahl, mit unvorstellbar vielen nullen.
Zum Vergleich: Es ist wahrscheinlicher, dass ein Ei auf den Boden fällt, zerbricht, sich beim Zerbrechen wieder zusammenfügt und schließlich intakt zurück auf die Küchentheke springt (mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10 hoch 26), als dass unser Universum aus reinem Zufall entstanden ist.
In dem Buch „Unser Gott – Rationale Argumente für die Existenz Gottes“, verfasst von Hadhrat Mirza Baschir Ahmad Sahib (RA), heißt es:
„Wenn jemand durch den Wald geht und dabei die Hinterlassenschaften eines Kamels sieht, versteht er, dass hier ein Kamel vorbeigekommen ist. Und wenn er im Sand der Wüste Fußspuren eines Menschen sieht, ist er davon überzeugt, dass hier ein Reisender vorbeigegangen ist. Kommt dir denn dann etwa nicht bei Betrachtung dieser Erde samt ihrer weiten Wege und dem Himmel mit seiner Sonne, dem Mond und den Sternen, der Gedanke, dass auch diese von jemandem erschaffen worden sein müssen?“
Man kann also festhalten: Es ist so gut wie ausgeschlossen, an ein völlig zufälliges und zweckloses Universum zu glauben. Alles hat eine Ursache. Doch was ist die Ursache unserer eigenen Existenz?
Causa Prima
Wenn man eine Reihe von Dominosteinen aufstellt und schließlich den ersten umstößt, löst dies eine sogenannte Kettenreaktion aus. Wenn also alles, was uns umgibt – die Menschen, Planeten und der Kosmos – aus „etwas“ entstanden ist, wie wir zuvor festgestellt haben: Was ist dann dieses „etwas“? Wer ist der Erste in dieser Kette?
In der Philosophie wird dieses Problem als „Causa Prima“ (die erste Ursache) bezeichnet. Diese Idee wurde zunächst von einem der bedeutendsten Philosophen, Aristoteles, und später von dem sehr einflussreichen Gelehrten Thomas von Aquin geprägt. Sie besagt Folgendes: Alles, was entstanden ist, hat eine Ursache. Eine unendliche Kette von Ursachen ist jedoch logisch unmöglich, da jede Wirkung auf eine anfängliche Ursache zurückgehen muss. Ein mit Wasser gefülltes Glas kann nicht einfach so, ohne äußere Einwirkung, von einem Tisch fallen.
Wir kommen also zu dem Entschluss, dass diese „erste Ursache“ etwas Mächtigeres sein muss als wir Menschen, unabhängig von unserem Zeit- und Raumgefühl agiert und die einzige Erklärung für unsere Existenz darstellt. Diese Ursache wird Gott genannt; in der Religion des Islam heißt sie: Allah. Doch hat Gott selbst auch einen Schöpfer?
Hadhrat Mirza Baschir Ahmad (RA) schreibt hierzu in seinem Buch:
„Wenn wir zum Beispiel diese Welt A nennen und den Schöpfer B, und dann annehmen, dass B von C erschaffen wurde und C von D, und dann diesen Prozess so weiter führen wie wir nur können, (…) dann ist es offensichtlich, dass dieser Prozess dann kein Ende finden wird. Dies bedeutet, dass für diese Kette kein solches Glied gefunden werden könnte, das wir als auslösendes Element bezeichnen können. Wenn nun das Startelement nicht bewiesen werden kann, dann kann infolgedessen auch kein weiterführendes Glied der Kette, welches die Schöpfung des Startelements ist, bewiesen werden und dieser Vorgang wird sich dann bezüglich jeder jeweils niedrigeren Ebene fortsetzen. Wenn also das beginnende Element nicht bewiesen werden kann, stellen sich auch alle nachfolgenden Elemente als falsch heraus. Man kann das obige Beispiel aufgreifend sagen, dass, wenn die Existenz von D nicht bewiesen ist, dann kann folglich auch nicht die Existenz von C bewiesen werden und wenn C nicht bewiesen werden kann, dann auch nicht B und letztendlich auch nicht A.“
Zusammenfassend lässt sich sagen: Würden wir annehmen, dass Gott von einem höheren Schöpfer erschaffen wurde, würden wir letztlich unsere eigene Existenz leugnen.
Gott ist allmächtig. Er existierte schon immer und wird auch für immer existieren.
Er ist nicht abhängig von unseren Naturgesetzen; Er hat sie selbst erschaffen.
Allah sagt im Heiligen Qur’an:
„Sprich: Er ist Allah, der Einzige; Allah, der Unabhängige. Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt; und keiner ist Ihm gleich.“ (Sura Al-Ikhlas V. 2-5)
Mensch und Moral: Ein Beweis?
Ein letzter Beweis für Gott findet sich nicht in den unendlichen Weiten des Universums, sondern in uns Menschen selbst. Jeder Mensch besitzt eine Art Grundvoraussetzung für moralisches Handeln. Damit ist das klassische Konzept von „Gut und Böse“ gemeint. Doch woher kommt dieses Bewusstsein und wie kann damit Gottes Existenz bewiesen werden?
Im religiösen Verständnis gilt: Gott bestimmt die Moral und die Gesetze unserer Welt. Genau wie ein Maler sich etwas bei seinem Kunstwerk denkt, so dachte sich auch Gott etwas bei Seinem „Bild“. Er gab uns einen moralischen Kompass, an dem wir uns halten sollen. In jedem Menschen ist schon früh ein Bewusstsein zu erkennen, das beurteilt, ob eine Tat gut oder schlecht ist.
Hierzu sagt Hadhrat Mirza Baschir Ahmad (RA):
„So ist also in der Natur jedes Menschen ein Bewusstsein für Gut und Böse zu finden, und dies ist Beweis dafür, dass der Mensch nicht von selbst entstanden ist und auch nicht als Resultat einer blinden Gesetzmäßigkeit. Dies ist ein sehr deutlicher Beweis für die Existenz Gottes, die kein vernünftiger Mensch verleugnen kann.“
Mit dem Glauben an Gottes Existenz geht auch der Glaube an Sein Gesetz einher. Ohne zu tief in dieses Thema einzugehen, besagt so gut wie jede Religion, dass Gott die Welt erschuf, damit wir Ihm dienen und Seinen Gesetzen folgen.
Daraus leitet sich auch unsere Moral ab. Wir empfinden es beispielsweise als falsch, jemandem Schaden zuzufügen.
Der russischer Schriftsteller Fjodor Dostojewski erklärte, wie die Existenz Gottes (und somit auch die Existenz des Jenseits) bewiesen werden kann.
Er schrieb in seinem Buch „Brüder“:
„Wenn es keinen Gott gäbe, wäre alles erlaubt.“
Das bedeutet: Wenn es keine Belohnung oder Bestrafung, also keine Konsequenzen für unser Handeln gäbe, wieso sollten wir dann darauf achten, wie wir oder unsere Mitmenschen sich verhalten? Mit dieser Aussage ist in keiner Weise gemeint, dass ein Atheist ein weniger guter Mensch sei als ein Gläubiger – doch worauf basiert seine Moral?
Fazit
Zusammenfassend bleibt der Glaube an Gott jedem Individuum selbst überlassen, doch es ist schwierig, eine solch logische Begründung abzulehnen. Der in der Einleitung erwähnte Nobelpreisträger Dr. Abdus Salam Sahib sagte, dass es keinen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft gebe. Nun wissen wir: Gott kann nicht nur mit der modernen Wissenschaft koexistieren, sondern es ist laut religiösem Verständnis sogar legitim zu sagen, dass die Wissenschaft das Handeln Gottes offenbart.
Die oben genannten Argumente sind für viele Theologen, Philosophen, Wissenschaftler und Physiker der Beweis dafür, dass ein Schöpfer existiert, dass Gott existiert.
هو، وسيظل Er ist und Er bleibt.