Hungersnot als Waffe – Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Lichte des Islams
Autor: Danish Nawas Ahmad
Seit nunmehr fast zwei Jahren dauert der Krieg in Gaza an. In diesem Zeitraum haben über 60.000 Palästinenser ihr Leben verloren, während etwa zwei Millionen Menschen auf der Flucht sind. [1]
In den letzten Wochen setzte Israel nun vermehrt Hunger systematisch als Waffe ein. Hilfslieferungen, Medikamente und Lebensmittel werden durch neue Registrierungsvorschriften blockiert und verzögert. Das sorgt dafür, dass knapp 500.000 Menschen an einer akuten Hungersnot leiden. Die UN-Behörden bezeichnen dies als ein Verbrechen nach internationalem Recht. Auch Israel habe die Pflicht, sich an das humanitäre Völkerrecht zu halten. [2]
Im Heiligen Quran heißt es über solche Ungerechtigkeiten:
اَرَءَیۡتَ الَّذِیۡ یُکَذِّبُ بِالدِّیۡنِ فَذٰلِکَ الَّذِیۡ یَدُعُّ الۡیَتِیۡمَ وَلَا یَحُضُّ عَلٰی طَعَامِ الۡمِسۡکِیۡنِ
“Hast du den nicht gesehen, der die Religion lügenhaft nennt? Das ist der, der die Waise verstößt und nicht zur Speisung des Armen antreibt.” (107:2-4)
Diese Verse weisen den Menschen eindeutig darauf hin, Mitgefühl für Waisen und Hungernde zu zeigen und ihnen zu helfen. Wer diese abweist, ist wie jemand, der die Religion Gottes leugnet. Und dies ebnet den Weg für alle Arten von Übel.

Weiter heißt es im Heiligen Quran in der Sure Al-Ma’idah Vers 9 in Bezug auf das Einhalten von Gerechtigkeit:
یٰۤاَیُّہَا الَّذِیۡنَ اٰمَنُوۡا کُوۡنُوۡا قَوّٰمِیۡنَ لِلّٰہِ شُہَدَآءَ بِالۡقِسۡطِ ۫ وَلَا یَجۡرِمَنَّکُمۡ شَنَاٰنُ قَوۡمٍ عَلٰۤی اَلَّا تَعۡدِلُوۡا ؕ اِعۡدِلُوۡا ۟ ہُوَ اَقۡرَبُ لِلتَّقۡوٰی ۫ وَاتَّقُوا اللّٰہَ ؕ اِنَّ اللّٰہَ خَبِیۡرٌۢ بِمَا تَعۡمَلُوۡنَ
“O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns.” (5:9)
Nun fragt man sich, was die Regierungen der Welt gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen. Westliche Mächte wie Deutschland, die sich sonst mit moralischen Appellen schmücken, stehen weiterhin treu an der Seite Israels und zeigen keine Anstrengung ihren Verbündeten von solchen Verbrechen abzuhalten. [3]
Der heilige Prophet Muhammadsaw sagte hierzu:
„Hilf deinem Bruder, egal ob er ein Unterdrücker ist oder unterdrückt wird“, indem du „verhinderst, dass er andere unterdrückt“. (Sahih al-Bukhari, Kitab al-mazalim, Hadith 2444).
Anstatt also seinen Verbündeten an derartigen Ungerechtigkeiten zu hindern, wird dieser unterstützt. Dabei werden Aussagen getätigt, wie die von Friedrich Merz, dass Israel die „Drecksarbeit“ für den Westen mache [4]. Jedoch schenkt keiner unserer Politiker den leidenden Menschen Gazas auch nur ein wenig Aufmerksamkeit. Über derartige Menschen sagt Allah im Heiligen Quran:
وَلَا تَرۡکَنُوۡۤا اِلَی الَّذِیۡنَ ظَلَمُوۡا فَتَمَسَّکُمُ النَّارُ ۙ وَمَا لَکُمۡ مِّنۡ دُوۡنِ اللّٰہِ مِنۡ اَوۡلِیَآءَ ثُمَّ لَا تُنۡصَرُوۡنَ
“Und neigt euch nicht zu den Ungerechten, damit euch das Feuer nicht erfasse. Und ihr werdet keine Freunde haben außer Allah, noch wird euch geholfen werden.” (11:114)
Das bedeutet, dass wir die Grenzen des Unrechts nicht nur dann überschreiten, wenn wir tatsächlich eine Ungerechtigkeit begangen haben, sondern wir gleichermaßen der Ungerechtigkeit schuldig sind, wenn wir uns in irgendeiner Weise an der falschen Handlung eines anderen Menschen mitschuldig machen oder ihn dabei verteidigen.
Nun stellt sich die Frage, wie man den Krieg und das Leiden der unschuldigen Menschen stoppen kann. Hierfür hat uns unser geliebter Imam Hadhrat Khalifatul Masih Vaba immer wieder die Anweisung gegeben, für die Menschen in Gaza intensiv zu beten. Denn das Gebet ist die stärkste Waffe, die wir haben. Weiter sagte eraba, dass die arabischen Nationen alle Anstrengungen unternehmen müssen, um eine Einheit herzustellen. Es gibt keine Alternative dazu. Andernfalls werden nicht nur Palästina, sondern auch die übrigen arabischen Länder mit gravierenden Schwierigkeiten konfrontiert sein. Daher müssen Muslime dem Thema besondere Aufmerksamkeit schenken und wir sollten alle für sie beten. (Khutba vom 07.02.2025)

Darüber hinaus müssen auch unsere Politiker den Mut aufbringen, sich gegen jegliche Unterdrückung zu stellen und sich für das Einhalten der Menschenrechte einzusetzen. Der vorübergehende Stopp der Waffenlieferung an Israel ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung, reicht jedoch bei weitem nicht aus, den Krieg zu beenden.
Es ist unsere Verantwortung, nicht wegzuschauen, sondern uns für die leidenden Menschen einzusetzen. Der Islam zeigt uns auf schöne Weise, dass man sich in jeder Situation für Gerechtigkeit einsetzen sollte. Erst wenn die Welt diese Lehre verinnerlicht und sich ihrem Schöpfer zuwendet, kann wahrer Frieden entstehen.
[1]: https://www.ochaopt.org/content/reported-impact-snapshot-gaza-strip-6-august-2025
[2]: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1417316/umfrage/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel/
[3]: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/unterstuetzung-israel-2228198
[4]: https://www.zdfheute.de/politik/g7-gipfel-merz-100.html