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Vom Vorsatz zur Tugend – wie Glaube und Gewohnheit sich verbinden

Von Umair Khalid, Murabbi-e-Silsila

Wer kennt sie nicht – die Neujahrsvorsätze. Jedes Jahr hört man von ihnen, und schon nach kurzer Zeit sind sie wieder vergessen. Einen guten Vorsatz zu haben ist keineswegs falsch – viel wichtiger ist jedoch zu wissen, wie wir diese Vorsätze dauerhaft in unser Leben integrieren können. Letztendlich liegt es in unserer Natur, uns um den eigenen Fortschritt zu bemühen – sowohl in weltlicher als auch in spiritueller Hinsicht.

Viele Motivationstrainer und Experten sprechen über Themen wie Gewohnheitsbildung, Entscheidungsfindung und Selbstoptimierung und geben dabei wertvolle, praktische Tipps. Zu diesen Themen gibt es ganze Bestsellerwerke, und viele der modernen Prinzipien und Erkenntnisse führen tatsächlich zum Erfolg.

Ein Blick in die Ahadith, das Leben des Heiligen Propheten (saw) und in den Heiligen Quran zeigt jedoch, dass auch dort zahlreiche Wege aufgezeigt werden, um gute Gewohnheiten zu entwickeln und ein zufriedeneres Leben zu führen. Mehr als 1400 Jahre hat es danach gedauert diese durch die Wissenschaft zu bestätigen. Doch letztendlich geht es immer um eines: zufrieden mit sich selbst und mit dem eigenen Leben zu sein.

Für einen gläubigen Menschen kommt jedoch ein weiterer, noch höherer Aspekt hinzu: die Zufriedenheit seines Schöpfers zu erlangen. Und welch schöner Gedanke ist es doch, dass gerade dieser Aspekt der Schlüssel zum wahren Erfolg ist.

 Allah hat an ihnen Wohlgefallen, und sie haben Wohlgefallen an Ihm; das ist der große Erfolg (5:120)

In diesem Artikel möchte ich drei Hinweise aus den Heiligen Quran mitgeben, wie wir durch das befolgen dieser, gute Gewohnheiten schaffen und so unser Leben optimieren.

und dass der Mensch nichts empfangen soll, als was er erstrebt (53:40)

Der Verheißene Messias (as) erklärte, dass der Mensch nur durch Anstrengungen Vollkommenheit erlangt. (Al-Badr, Band 1)

Psychologen betonen, dass Anstrengung nicht nur zum Ziel führt, sondern auch innere Stärke und Ausdauer (Resilienz) aufbaut. Zudem formt Mühe den Charakter. Die amerikanische Psychologin Angela Duckworth schreibt, dass Leidenschaft und Ausdauer ein besserer Indikator für Erfolg sind als Intelligenz oder Talent. 

Gerade bei Anstrengung werden aus Neurowissenschaftlicher Sicht neue neuronale Verbindungen gebildet. Im Islam wird dafür die Terminologie Mujāhada verwendet, woraus der Begriff Jihad abgleitet. 

Und sprich nie von einer Sache: „Ich werde sie morgen tun“, es sei denn: „So Allah will“  (18:24 – 25)

Verschiebe nichts auf morgen – dieses Sprichwort ist allbekannt. Doch der Mensch neigt dazu, seine Verantwortung und seine Arbeiten zu verschieben. Der Grund dafür ist laut Psychologen keineswegs ein Zeitproblem oder weil sie faul sind, sondern es scheint ein Emotionsproblem zu sein. Das bedeutet, dass der Mensch ein unangenehmes Gefühl wie z. B. Stress, Unsicherheit oder Angst vor dem Ergebnis vermeiden möchte.

Frühes und rechtzeitiges Handeln führt immer zu Fokus, denn Wenn man Dinge sofort erledigt, dann bleibt der Geist frei von offenen Baustellen und man hat mehr geistige Kapazität für Kreativität und Wichtiges.

In diesem Qur’an-Vers geht es zwar nicht unmittelbar darum, etwas aufzuschieben. Vielmehr wurde er offenbart, als der Heilige Prophet Muhammad (saw) den Quraisch versprochen hatte, am nächsten Tag auf bestimmte Fragen zu antworten. Doch was uns dieser Vers lehrt, ist, dass alles in Allahs Macht und in seiner Verfügung liegt. Er erinnert uns zugleich daran, dass Zeit und Zukunft nicht garantiert sind, sondern allein in Allahs Allmacht stehen. Daher sollten wir für unsere Angelegenheiten weise Vorkehrungen treffen, dabei jedoch stets auf Allah vertrauen. Genau dieser Gedanke wird auch im folgenden Vers weitergeführt.

O die ihr glaubt, fürchtet Allah; und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorausschickt. (59:19)

Hadhrat Khalifat-ul-Massih III (rh) schreibt zu diesem Vers:

Die Zukunft besitzt keinen dauerhaften, eigenständigen Bestand. Sie verwandelt sich unaufhörlich in die Gegenwart – nicht nur einmal, sondern Augenblick für Augenblick. In diesem Sinne ist die Zukunft die Vollendung unserer Gegenwart. Allah der Erhabene weist in diesem Vers darauf hin, dass der Mensch in einem Zustand der Gottesfurcht (Taqwa) fest und standhaft bleiben soll, damit er die innere Gewissheit erlangt: Was auch immer meine Zukunft bringt – wenn sie sich in Gegenwart verwandelt, wird sie für mich nicht zur Quelle des Leids, sondern des Friedens und der Freude werden. 

(Exegese des 3. Kalifen rh, S. 430)

Experten betonen, dass Menschen, die aktiv ihre Zukunft planen, weniger Angst und Stress erleben. Denn das Vorausschauen hilft, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und handlungsfähig zu bleiben. Wer sich vorbereitet, fühlt sich selbstwirksamer, denn das heute formt das Morgen.

Pädagogische Forschungen zeigen, dass Vorausschau das Selbstvertrauen und Handlungsfähigkeit stärkt. Sich um die Zukunft zu kümmern heißt keineswegs, in Angst oder Stress zu leben, sondern verantwortungsbewusst zu handeln, Pläne zu machen und auf Allah zu vertrauen.

Im Allgemeinen lassen sich aus den drei Qur’an-Versen drei essenzielle Methoden ableiten, die für die Entwicklung und den Erfolg eines Gläubigen von zentraler Bedeutung sind – sowohl im weltlichen als auch im spirituellen Sinn.

Mit diesen drei Methoden kannst auch nun morgen deinen Tag beginnen und versuchen, diese Prinzipien Tag für Tag umzusetzen. Schon nach kurzer Zeit wirst du erste Verbesserungen spüren, und mit der Zeit wird sich auch der nachhaltige Erfolg zeigen.