Disziplin und Hingabe: 5 Tipps zur Vorbereitung auf Ramadan
Von Kashif Ahmed & Danish Ahmad, Nuuruddin Redaktion
Der Countdown läuft. Morgen beginnt der Monat Ramadan für uns Ahmadi-Muslime in Deutschland – eine Zeit, die weit über den bloßen Verzicht auf Nahrung hinausgeht. Es ist eine Phase der intensiven spirituellen Erneuerung und der Nähe zu Allah. Doch wie bei jeder bedeutenden Reise entscheidet die Vorbereitung über den wahren Nutzen und Erfolg. Wer unvorbereitet in diesen spirituellen Monat startet, riskiert, die ersten kostbaren Tage lediglich mit körperlicher Anpassung zu verbringen, anstatt die tiefere Erleuchtung zu suchen.
Um den maximalen spirituellen Nutzen aus diesem Monat zu ziehen, ist es unerlässlich, bereits jetzt das Herz und den Verstand zu fokussieren. Hier sind fünf essenzielle Schritte, um sich auf den Ramadan vorzubereiten.
- Die reine Absicht
Al-Qaman bin Waqqas (RA) sagt, dass er Hadhrat Umar (RA) während einer Ansprache sagen hörte: Ich hörte den Heiligen Propheten (SAW) sagen: „Taten werden allein von ihren Absichten bestimmt. Man wird nur das bekommen, was man wirklich beabsichtigt.“ (Bukhari, Kitabu Bad’il Wahi Hadith Nr. I; das Buch der Offenbarung).
Dieses Hadith verdeutlicht, dass jede gottesdienstliche Handlung, insbesondere im Ramadan, mit einer bewussten und aufrichtigen Absicht beginnen sollte. Nur wenn eine geistige Zielsetzung vorhanden ist, entfalten sich die eigentlichen Segnungen des Gottesdienstes.
Daher ist es wichtig, zunächst den eigenen Ist-Zustand ehrlich und kritisch zu reflektieren. Wo stehe ich spirituell? Was möchte ich verbessern? Aus dieser Selbstprüfung kann eine aufrichtige Absicht zur inneren Reform entstehen. Entsprechend dieser Absicht wird der Mensch belohnt. Ohne die richtige Absicht (Niyyah) bleibt das Fasten lediglich ein äußerer Verzicht. Es wird zum bloßen Hungern, statt zu einer Quelle geistiger Erneuerung zu werden.
- Die wahre Essenz des Fastens verstehen
Viele gehen davon aus, dass das Fasten lediglich ein physischer Akt des Verzichts auf Essen und Trinken innerhalb eines bestimmten Zeitraums ist. Doch darüber hinaus verbirgt sich darin ein weit größerer Schatz: das wahre Ziel zu erlangen, das vielen verwehrt bleibt, weil ihnen die Kenntnis darüber fehlt.
Der Verheißene Messias (AS) sagt diesbezüglich:
“Fasten bedeutet nicht lediglich, hungrig und durstig zu bleiben; vielmehr kann seine wahre Wirklichkeit und seine Wirkung nur durch eigene Erfahrung erkannt werden. Es liegt in der Natur des Menschen, dass mit geringerer Nahrungsaufnahme sein Selbst geläutert wird und dadurch seine Fähigkeit zu spirituellen Erfahrungen zunimmt. Der Wille Gottes besteht darin, eine Art von Nahrung zu verringern und eine andere zu vermehren. Ein Mensch, der fastet, sollte sich stets bewusst sein, dass von ihm nicht nur verlangt wird, hungrig zu bleiben. Vielmehr sollte er im Gedenken an Gott verweilen, damit er die Bindungen an weltliche Begierden und Vergnügungen löst und sich vollständig Gott widmet. Die Bedeutung des Fastens liegt daher allein darin, dass der Mensch eine Art von Nahrung aufgibt, die nur den Körper nährt, und stattdessen eine andere Nahrung erlangt, die der Seele Trost und Befriedigung schenkt. (Malfoozat Band 5, S. 102).
Gerade darin liegt die eigentliche Zielsetzung des Fastens: Es geht nicht um das bloße Hungern, sondern um die Entwicklung von Gottesfurcht (Taqwa) sowie um das Streben nach Seiner Nähe und Seinem Wohlgefallen. Wer fastet, soll daher nicht nur auf Nahrung verzichten, sondern ebenso üble Nachrede meiden, sich von unnützen Beschäftigungen wie übermäßigem Konsum von Social Media oder Filmen fernhalten und Groll sowie Hass aus seinem Herzen verbannen, damit das Fasten zu einer wahren geistigen Läuterung wird.
- Das fünfmalige Gebet als Ankerpunkt
Das Pflichtgebet ist das Fundament unseres geistigen Lebens und die tägliche Verbindung zu Allah. Es sollte bewusst, regelmäßig und mit Demut verrichtet werden. Besonders im Ramadan kann man diese Grundlage stärken, indem man zusätzlich das Tahajjud-Gebet betet – selbst wenn es zunächst nur zwei Rakʿat sind. Wichtig ist die Beständigkeit.
Ein gutes Zeitmanagement unterstützt dabei, kein Gebet zu verpassen. Das Stellen eines Weckers oder auch die Islah-App hilft, die Gebetszeiten fest in den Alltag zu integrieren. Zudem sollte man versuchen, mindestens ein Gebet täglich in der Moschee zu verrichten und im Ramadan am Tarawih-Gebet teilzunehmen. Informiere dich rechtzeitig über die lokalen Gebetszeiten und plane deinen Tag entsprechend.
Um das Gebet zu vertiefen, ist es hilfreich, die Bedeutung der Worte besser zu verstehen. Frische die Übersetzung auf und lies Tafsir, besonders zur Sura al-Fātiha, um dein Gebet bewusster zu erleben und die Nähe Allahs zu erreichen. Wir sollten nicht vergessen: Das Gebet ist eine persönliche Audienz bei Allah, dem Erhabenen, dem Schöpfer und Herrn aller Welten.
- Vertiefe deine Liebe zum Heiligen Quran
Der Heilige Quran, der im gesegneten Monat offenbart wurde, ist ein zweiter Ankerpunkt, den man im Monat Ramadhan intensiv nachgesehen sollte. Setze dir daher das Ziel, ihn mindestens einmal vollständig mit Übersetzung zu lesen, um ihn zu verstehen und nach den Geboten zu handeln. Dabei können hilfreiche Tools oder Lesepläne unterstützen, die anzeigen, wie viele Verse oder Kapitel man täglich lesen sollte, um dieses Ziel zu erreichen.
Darüber hinaus ist es empfehlenswert, auch die Exegese (Tafsir) zu studieren. Sie hilft die Hintergründe und die tiefere Bedeutung der Verse zu erfassen und das eigene Wissen sowie die spirituelle Verbindung zum Quran zu vertiefen. So findest du auf www.alsilam.org im Quran Tool Exegesen wie “Five Volume Commentary”.
- Finanzielle Spenden
Finanzielle Spenden sind ein wichtiger Bestandteil der spirituellen Reinigung und ein Ausdruck des Vertrauens in Allah. Im Heiligen Quran heißt es:
„Sprich: Fürwahr, mein Herr weitet und beschränkt die Mittel zum Unterhalt, wem Er will von Seinen Dienern. Und was immer ihr spendet, Er wird es vergelten; und Er ist der beste Versorger.“ (34:40)
Dieser Vers erinnert uns daran, dass Versorgung allein in Allahs Hand liegt. Wer auf Seinem Weg gibt, verliert nichts – vielmehr verspricht Allah selbst Ersatz und Lohn. Es ist daher besonders segensreich, bereits vor Beginn des Ramadan Sadaqa zu entrichten, um sich innerlich auf den gesegneten Monat vorzubereiten. Zudem war es die Praxis des Heiligen Propheten (SAW), im Ramadan besonders großzügig zu sein. Seine Freigebigkeit nahm in diesem Monat noch zu, was uns als Vorbild dient, unsere Spendenbereitschaft in dieser besonderen Zeit zu steigern.
Wegweisende Worte
In der Freitagsansprache vom 15. März 2024 sprach Hudhur-e-Aqdas (ABA) über Ramadan und darüber, wie ein Muslim diesen Monat gestalten sollte, um den wahren Sinn und Zweck des Fastens erfüllen zu können.
Eingangs rezitierte Hudhur (ABA) folgende Quran-Verse:
O die ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützet – eine bestimmte Anzahl von Tagen. Wer von euch aber krank oder auf Reisen ist, (der faste) an ebenso vielen anderen Tagen; und für jene, die es schwerlich bestehen würden, ist eine Ablösung: Speisung eines Armen. Und wer mit freiwilligem Gehorsam ein gutes Werk vollbringt, das ist noch besser für ihn. Und Fasten ist gut für euch, wenn ihr es begreift. (2:184–185)
Hudhur-e-Aqdas (ABA) erklärte, dass die Verse über das Fasten uns zu aller erst Demut lehren, da Gott klarstellt, dass das Fasten nicht nur für uns Muslime spezifisch ist, sondern auch für diejenigen vor uns galt, mit dem gleichen Ziel nämlich Gottesfurcht anzueignen. Das Fasten dient als Mittel, uns vor Satan zu schützen und ihn zu bezwingen, ähnlich wie ein Soldat, der sich einerseits hinter einem Schild schützt und andererseits den Feind attackiert. Durch das Fasten sollen wir das Böse aufgeben und Tugenden annehmen.
Ferner ist es wichtig, den richtigen Gebrauch eines Schutzschildes zu kennen, da sonst Satan uns trotz des Schildes angreifen kann. Im Fall des Fastens bedeutet die richtige Anwendung dieses Schildes, dass wir dem Fasten gerecht werden und uns bemühen, Gottesfurcht zu erlangen, da dies der wahre Zweck des Fastens ist. Wenn wir in diesem Zustand des Fastens uns dann auch von erlaubten Dingen wie Essen und Trinken enthalten, wird Gott sicherlich Seinen Segen gewähren. Dann wird Satan sicherlich gefesselt sein. Wir sollten Satan niemals unterschätzen; er hat sehr kühn herausgefordert, dass die meisten Menschen seinen Verführungen erliegen würden. Wir müssen dieser Herausforderung entgegentreten und Satan widerlegen. (Zusammenfassung Freitagsansprache – 15.03.2024)