Haben wir wirklich keine Zeit für Allah?
Von: Danial Wadood
Im Namen Allahs, des Gnädigen und immer Barmherzigen
Die meisten Brüder, die diesen Artikel lesen, werden wohl hier in Deutschland geboren sein. In einem nichtmuslimischen Land, wo es nicht selbstverständlich ist, 5-mal am Tag dasAdhan zu hören, Männer und Frauen in getrennten Versammlungen zu sehen oder freitags während des Jummah-Gebetes die Geschäfte geschlossen zu sehen.
Was kennen wir?
Wir müssen teilweise 20 Minuten mit dem Auto fahren, um in die nächste Moschee zu kommen. In der Schule, Uni oder bei der Arbeit ist es unmöglich, dass wir eine Geschlechtertrennung haben; nur bei den Toiletten oder beim Sport ist es so. Freitag, um die Mittagszeit zum Jummah-Gebet zu kommen, kann eine riesige Herausforderung für uns werden. Wie sollen wir jede Woche unserem Chef erklären, dass wir 2 Stunden Pause oder früher frei brauchen?
Liebe Leser,
spürt ihr auch diesen Druck, den wir von allen Seiten haben? Ist es Druck oder haben wir uns einfach diesen Druck und hohe Erwartungen selber zum Problem gemacht?
Lasst uns einmal ca. 30–40 Jahre zurück in die Zeit gehen. Unsere Eltern sind aus Pakistan geflüchtet, frisch verheiratet, die Frau evtl. noch in Pakistan, und schon mit jungem Nachwuchs. Ein Vater, der die Sprache nicht kann, eine Familie ernähren muss und gleichzeitig den Kampf gegen die Behörden führen muss; er könnte jeden Moment abgeschoben werden. Ist das nicht wahrer Druck?
Wenn der Vater möchte, dass wir den Garten sauber machen, in der Uni 2 Klausuren anstehen und wenn dann noch Qaid Majlis sagt, wir sollen am Wochenende beim Ijlas teilnehmen, heißt es bei uns: „Boah, das schaffen wir gar nicht, wir haben keine Zeit, wir haben sehr viel zu tun, zu Hause, Eltern helfen, Uni und dann noch unseren Minijob.“
Viele fühlen sich gerade angesprochen, und es ist ja auch kein Vorwurf, aber wie wäre es aus einer anderen Perspektive? Was, wenn Allah, der Barmherzige, unseren Eltern nicht so viel Gnade erwiesen hätte und wir nicht hier arbeiten könnten, zur Schule gehen und ein ruhiges Leben führen könnten?
Haben wir schon mal darüber nachgedacht?
Nachgedacht, einfach mal Allah zu danken, dafür, dass wir so vieles bekommen haben, aber in Wirklichkeit gar nichts verlangt haben?
Ja, das ist die Eigenschaft Allahs, Al-Rehman, der uns gibt, ohne dass wir danach fragen. Und im Heiligen Koran heißt es: „Und (gedenket der Zeit) da euer Herr ankündigte: „Wenn ihr dankbar seid, so will Ich euch fürwahr mehr geben; seid ihr aber undankbar, dann ist Meine Strafe wahrlich streng.“ (14:8).
Liebe Brüder,
wir müssen niemandem etwas beweisen, von niemandem gelobt werden und von niemandem gesehen werden, außer für Allah. Für Ihn sollten wir uns anstrengen, für Ihn sollten wir uns ständig bemühen, denn Er sagt selber im Heiligen Koran:
„Und diejenigen, die in Unserer Sache bestrebt sind – Wir werden sie gewiss leiten auf Unseren Wegen. Wahrlich, Allah ist mit denen, die gütig sind.“ (29:70)
Den „Stress“, den wir oft haben, ist meistens Kopfsache. Mit ein wenig Disziplin und Zeitmanagement können wir uns diesen Stress sparen.
Wie unser geliebter Hudhoor (ABA) uns schon oft als Guideline mitgegeben hat, ist, dass wir unseren Tagesablauf niederschreiben sollten. Dann werden wir ganz schnell feststellen, dass wir uns selbst in manchen Situationen Zeitdruck und Stress machen. Vor allem, wenn wir wichtige Arbeiten unseres Alltags vernachlässigen oder nach hinten schieben und gleichzeitig nicht so wichtigen Arbeiten oder Social Media mehr Zeit geben.
Wenn wir unseren Tagesablauf erstellen, sollten wir zunächst einmal alle 5 Gebete terminieren. Unser Tag sollte sich den Gebeten anpassen und nicht andersrum!
Wenn wir unserem Schöpfer, dem wir nicht genug für Seine unzähligen Segnungen danken können, oberste Priorität geben und Ihn stets gedenken, so wird Er uns sicherlich auch Priorität geben. In einer Überlieferung heißt es:
„Allah, hocherhaben ist Er, sagt: ‚Ich behandle Meinen Diener Seinen Vorstellungen über Meine Kraft und Eigenschaften entsprechend. Ich bin bei ihm, wenn er sich Meiner erinnert. Wenn er in seinem Herzen Meiner gedenkt, dann gedenke auch Ich seiner in Meinem Herzen. Wenn er in Gesellschaft von Mir spricht, werde Ich in besserer Gesellschaft von ihm sprechen. Wenn er sich Mir um eine Handbreite nähert, nähere Ich Mich ihm um eine Armeslänge. Und wenn er sich Mir um eine Armeslänge nähert, nähere Ich Mich um eine Spannweite. Wenn er in Meine Richtung zu Mir gelaufen kommt, dann komme Ich mit schnellen Schritten in seine Richtung geeilt.“
Wir sollten anfangen, uns mehr mit der Gotteserkenntnis zu beschäftigen. Wir laufen so vielen weltlichen Dingen hinterher. Haben wir mal überlegt, wo der Ursprung aller Sachen liegt?
Wenn wir das Namaz vernachlässigen, wegen unserer Schularbeiten, wegen unserer Familie, wegen einer leichten Erkältung, wegen unserer Erschöpfung. Wir vernachlässigen denjenigen, der uns all dies geschenkt hat; wenn Er will, kann Er es hinwegnehmen. Er braucht unsere Gebete nicht, wir sind Seiner Gebete bedürftig.
Es heißt im Heiligen Koran:
Sprich: „Was kümmert Sich mein Herr um euch, wenn ihr nicht (zu Ihm) betet? Ihr habt ja geleugnet und das wird (euch) nun anhaften“ (25:78).
Lasst uns eine Veränderung in uns hervorheben. Stellen wir uns einmal vor, dass wir diese Welt verlassen und vor Allah stehen und befragt werden. Konnten wir unseren Pflichten gegenüber Allah und Seiner Schöpfung gerecht werden? Oder haben wir nur für den weltlichen Genuss gelebt?
Lasst uns in unseren Gebeten vertiefen und den wahren Genuss des Gebetes kosten, lasst uns Allah um Hilfe bitten, denn Ihm allein dienen wir und zu Ihm allein flehen wir um Hilfe.
Lasst uns dankbar sein, dass wir in Europa ein sicheres und ruhiges Leben genießen dürfen und nicht in einem Land leben, wo wir verfolgt und schikaniert würden.
Allah sagt im Heiligen Koran: „Sie, die glauben und deren Herzen Trost finden im Gedenken Allahs. Ja! Im Gedenken Allahs ist es, dass Herzen Trost finden können.“ (13:29)
Möge Allah uns die Möglichkeit geben, Sein Wohlgefallen zu erlangen. Ameen.